Evaluation eines Aggressionspräventionsprogramms für die Grundschule: Das Friedensstifter-Training

Evaluation of a program for prevention of aggressive behaviour in elementary schools: The 'Friedensstifter-Training'

Die vorliegende empirische Untersuchung prüft die Wirkung eines Programmes für Grundschüler, welches Konfliktlösung durch Verhandeln lernen und Mediation vermittelt. Es wird untersucht, ob das Friedensstifter-Training aggressionsreduzierende Wirkung besitzt und welchen Einfluss es auf das prosoziale Verhalten, das psychosoziale Befinden der Schüler und auf das Klassenklima hat. Das Friedensstifter-Training besteht aus vier Teilen und liegt in ausgearbeiteten Unterrichtseinheiten als Lehrerhandbuch vor (Gasteiger Klicpera & Klein, 2006). Im ersten Teil des Trainings geht es darum, was im Rahmen des Friedensstifter-Trainings unter Streit verstanden wird, welche Ziele Konfliktparteien bei Streitereien haben können und welchen Zusammenhang es zwischen diesen Konfliktzielen und dem Verhalten in Konflikten gibt. Im zweiten Teil lernen die Kinder dann die einzelnen Schritte einer Konfliktlösung durch Verhandeln kennen und üben und vertiefen diese solange, bis sie diese Schritte sicher beherrschen. Da man zum Verhandeln einen klaren Kopf braucht, vermittelt der dritte Teil des Friedensstifter-Training Techniken, wie die Kinder besser mit ihren Emotionen umgehen können, vor allem mit ihrer Wut und ihrem Ärger. Im Rahmen des vierten Trainingsteils lernen die Kinder, wie sie anderen Kindern beim Verhandeln helfen können. Dieser Trainingsteil beschäftigt sich mit Techniken der Mediation, z.B. welche Aufgabe ein Mediator hat und wie er bzw. sie sich verhalten sollte. Das Friedensstifter-Training basiert auf der Konflikttheorie von Johnson und Johnson und bezieht Elemente der Sozialen Lerntheorie von Bandura und der Theorie der Sozialen Informationsverarbeitung von Crick und Dodge mit ein. Zudem wird Bezug genommen auf den Ansatz des Sozialen Problemlösens von Shure. Das Training beinhaltet auch Elemente der Mediation. Die empirische Untersuchung erfolgte im Versuchs-Kontrollgruppen-Design an 15 Münchner Grundschulen über einen Zeitraum von zwei Schuljahren. Insgesamt wurden 30 Lehrer und 721 Schüler befragt. Die Befragungen wurden zu vier Messzeitpunkten mittels standardisierten Fragebögen durchgeführt. Erwartet wurde eine aggressionsreduzierende Wirkung des Friedensstifter-Trainings sowie eine Verbesserung des prosozialen Verhaltens bei Schülern der Interventionsklassen verglichen mit dem Verhalten der Schüler der Kontrollklassen. Erwartet wurde zudem auch eine Reduzierung im Ausmaß der Hyperaktivität, der Aufmerksamkeits- und Motivationsprobleme sowie der emotionalen Probleme der Schüler der Interventionsklassen. Bei den auf die Konfliktlösung bezogenen sozialen Fähigkeiten der Schüler der Interventionsklassen wurde eine Verbesserung erwartet, ebenso wie bei der Qualität des Klassenklimas und bei der psychosozialen Befindlichkeit der Schüler. Betrachtet wurde die Verhaltensentwicklung bezüglich der fünf Fragestellungen im Vergleich zwischen Interventions- und Kontrollklassen, im Vergleich der Mädchen der Interventionsklassen mit den Jungen der Interventionsklassen sowie im Vergleich der Interventionssklassen, in denen die Inhalte des Friedensstifter-Trainings langfristig von den Lehrern weiter geübt wurden, mit den Interventionsklassen, in denen die Lehrer dies nicht getan haben. Es zeigt sich, dass vor allem die Jungen der Interventionsklassen vom Friedensstifter-Training profitiert haben. Ihr aggressives Verhalten hat sich reduziert und ihr prosoziales Verhalten hat zugenommen. Die Situation der Mädchen der Interventionsklassen gestaltet sich komplexer. Obwohl das aggressive Verhalten der Mädchen der Interventionsklassen zunahm und ihr prosoziales Verhalten zurückging, gibt es Hinweise darauf, dass auch die Mädchen der Interventionsklassen vom Friedensstifter-Training profitiert haben. Gerade dieser geschlechtsspezifische Effekt liefert wichtige Hinweise für eine zukünftige Weiterentwicklung des Friedensstifter-Trainings. Bei der Frage, wie sich langfristiges Übung und Vertiefen der Friedensstifter-Inhalte auf die Effekte des Trainings auswirkt, zeigte sich deutlich, dass langfristiges Üben und Vertiefen sich durch deutlich positivere Effekte auszahlt, als wenn dies nicht geschieht.
The longitudinal study evaluates the effects of the program ‚Friedensstifter-Training’ for elementary students, that teaches conflict resolution by negotiation and mediation. It was expected that the ‚Friedensstifter-Training’ reduces aggressive behaviour of the students and promotes their prosocial behaviour. It was also expected that the training had positive effects on the class climate and on the psychological wellbeing of the students, especially on feelings of lonelines and depression. The ‚Friedensstifter-Training’ has four thematical parts and is available as teacher handbook with detailed lessions (Das Friedensstifter-Training, Gasteiger Klicpera & Klein, 2006). The first part explains what kind of goals people can have in conflicts and how these conflict goals relate to behaviour in conflicts. The second part teaches how to negotiate in conflicts. To negotiate a good solution for both conflict parties, you need to be calm. Therefore the third part of the ‚Friedensstifter-Training’ contains techniques how to deal with anger. The fourth part teaches the students how to help others negotiating, that is how to mediate between two conflict parties. The ‚Friedensstifter-Training’ is based on the conflict theory of Johnson and Johnson and includes elements of the social learning theory of Bandura and of the theory of social information-processing of Crick and Dodge. The training was also influenced by the theory of social problem-solving of Shure and includes elements of mediation. The 2-year-longitudinal study included 15 Munich elementary schools with one intervention group and one control group per school. The sample consisted of 30 teachers and 721 students. The evaluation was carried out through questionnaires which were filled out by all students and teachers at four points of measurement. Results suggest that the impact of the ‘Friedensstifter-Training’ is gender-related. According to teachers’ evaluations there was an improvement of prosocial behaviour of boys in the intervention classes. In addition, they showed a decrease in direct and indirect aggression and victimisation. In contrast, teachers reported a deterioration of prosocial behaviour as well as an increase in direct and indirect aggression among the girls.

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Metadaten
Author:Gudrun Klein
URN:urn:nbn:de:bsz:747-opus-693
Advisor:Barbara, Professor Doktor Gasteiger-Klicpera
Document Type:Doctoral Thesis
Language:German
Date of Publication (online):26.05.2010
Date of first Publication:26.05.2010
Publishing Institution:Pädagogische Hochschule Weingarten
Granting Institution:Pädagogische Hochschule Weingarten,Pädagogische Hochschule Weingarten
Date of final exam:09.02.2010
Tag:Aggressionspräventionsprogramm; Frieden stiften; Grundschulprogramm
aggressive behavior; elementary school; evaluation; prevention-program; teacher handbook
SWD-Keyword:Aggression; Anti-Aggressivitäts-Training; Evaluation; Grundschulkind; Konfliktlösung; Lehrerhandbuch; Mediation; Verhandlung
Institutes:Fakultät I (PH)
Dewey Decimal Classification:150 Psychologie
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